Gesellschaftliche Maßnahmen

In der Politik, unter den Forschen oder auch innerhalb verschiedener Länder werden Umgangsweisen mit der aktuellen Situation unterschiedlich diskutiert. Hier findest du einen Überblick über die gängigen Annahmen über gesellschaftliche Maßnahmen, die getroffen werden bzw. getroffen werden sollten.

Flatten the Curve

Ausgehend davon, dass sich Krankheiten exponentiell verbreiten, also Infektionen in kürzester Zeit verdoppeln oder verdreifachen, wird eine Überlastung des Gesundheitssystems mit der riesigen Zahl an Erkrankten erwartet. Durch getroffene Maßnahmen soll die Zahl der Ansteckungen auf einen längeren Zeitraum ausgedehnt werden, damit für diejenigen, die an COVID-19 erkranken die medizinische Versorgung gewährleistet werden kann. Welche genauen Zahlen an Infektionen, Todesfällen, Krankenhausaufenthalten etc. erwartet wird, ist unklar. Außerdem ist unklar über welchen Zeitraum sich die Kurve verflachen wird. Die Todesfälle sollen vermutlich in den nächsten vier Jahren in die normale Sterberate übergehen.

Wichtigster Vertreter dessen, dass Fälle unbedingt gesenkt werden sollten und enger Berater der Bundesregierung in der aktuellen Situation ist Leiter der Virologie and der Berliner Charité Christian Drosten: „Wir müssen jetzt unbedingt die Fälle senken. Sonst werden wir es nicht schaffen. Wir kriegen sonst innerhalb von ein paar Wochen genau dieselben Probleme wie in Italien.“
https://www.merkur.de/welt/corona-deutschland-ausnahmezustand
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/christian-drosten-coronavirus

Ebenfalls Vertreter dieses Ansatzes ist Alexander Kekulé (Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der MLU Halle-Wittenber):

  • Wenn man viele Todesfälle in kürzester Zeit hat, kommt es ja zu Sekundäreffekten: Menschen, die eigentlich behandelt werden könnten, können nicht behandelt werden, weil die Krankenhäuser überfüllt werden. Die sterben dann mangels Behandlungsplätzen. Deshalb ist es richtig, sich gegen das Virus zur Wehr zu setzen (mdr).“
  • Die meisten Coronaviren sind zwar harmlos, aber bei diesem Sars-Corona-Virus-2 haben wir relativ früh erkannt, dass die Sterblichkeit etwa zehnmal so hoch ist wie bei einer normalen Grippe. […] Wenn Sie eine Infektion haben mit Sars-CoV-2, dann ist ihre Chance, daran zu sterben, viel viel höher als bei der Grippe. Und wir können unser medizinisches Personal nicht vor einer Ansteckung schützen. (mdr)“

Kritische Stimmen

Thomas Weinke

(Infektiologe am „Ernst von Bergmann“ – Klinikum in Potsdam)

  • (27.02.2020) Die Daten aus China legen nahe, dass die Todesrate in der am stärksten betroffenen Provinz bei zwei bis drei Prozent liegt. Das ist schon eine heftige Nummer – muss man wirklich sagen. Aber wenn man jetzt die Zahl der Gesamtinfizierten berechnen würde – und das ist in China wahrscheinlich nicht komplett erfasst -, gehen die Experten eigentlich eher davon aus, dass die Todesrate in einem Bereich von etwa 0,5 Prozent liegt. Auch das ist noch eine heftige Zahl, die man sicherlich sehr kritisch im Auge behalten muss. Aber wir müssen das jeweils in Relation zur Anzahl der gesamten Infizierten sehen (rbb24).“

Wolfgang Wodarg

(seit längerem nicht praktizierender Lungenarzt, kein Virologe, Politiker der SPD)

Wolfgang Wodarg leugnet, dass sich die Sterblichkeitsrate in Europa bisher erhöht habe (MDR) und behauptet dass der Virus Sars-CoV-2 schon länger existiert und sich nur wie eine saisonale Grippe verhält und nur auffällt, weil man jetzt danach suchen würde (SWR3).

Wodargs Aussagen wurden mehrfach von Wissenschaftlern widerlegt, so kann man z.B. durch Analyse des Erbguts eines Virus nachweisen, wann dieser zuerst aufgetreten ist und ob dieser aus einem anderen Virus mutiert ist. Durch diese Analyse steht fest, dass der Erreger Ende 2019 das erste Mal von einem Tier auf einen Menschen übergeben wurde und wenig mit den bisher bekannten Varianten der Coronaviren gemein hat (Spiegel).

Auch mit seiner Aussage zur Sterblichkeitsrate verharmlost er massiv die derzeitige Situation, allein in Italien sind seit dem Ausbruch des Virus 15.000 Menschen im Zusammenhang mit Corona gestorben (FR).

Falschinformationen wie diese kursieren derzeit zuhauf im Netz und müssen als diese herausgestellt werden, um die Gesundheit der Leute zu schützen. Wolfgang Wodarg hat gezeigt, dass er kein vertraulicher Experte für den Coronavirus ist.

Wodargs Bedenken, dass ökonomische Faktoren in dieser Krise nicht unbedeutend sind, sind sicherlich nicht unbegründet, in seiner Argumentation jedoch überdeckt von unseriösen Argumentationen, die dem Schutz unserer aller Gesundheit nichts nützen.

Robert-Koch-Institut

Zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention

Es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation. Bei einem Teil der Fälle sind die Krankheitsverläufe schwer, auch tödliche Krankheitsverläufe kommen vor. Die Zahl der Fälle in Deutschland steigt weiter an. […] Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als hoch eingeschätzt. Diese Gefährdung variiert aber von Region zu Region. Die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zu. Die Belastung des Gesundheitswesens hängt maßgeblich von der regionalen Verbreitung der Infektion, den vorhandenen Kapazitäten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen (Isolierung, Quarantäne, soziale Distanzierung) ab und kann örtlich sehr hoch sein. Diese Einschätzung kann sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.“
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/

Wuhan-Methode

Seit Anfang Januar diesen Jahres soll der Ausbruch der Krankheit offiziell bekannt sein. Um der Ausbreitung der Epidemie Herr zu werden, wurden in den betroffenen Regionen Chinas sowie im ganzen Land schnell, strikte Maßnahmen durchgeführt. Menschen durften ihre Häuser nicht verlassen, Lebensmittel wurden über zentral organisierte Essensboten geliefert, die Gesundheitsversorgung massiv ausgebaut uvm. Erst anfang letzter Woche wurden die Maßnahmen etwas gelockert, da so gut wie keine Neuerkrankungen mehr gemeldet werden.

Fazit

Zur Einschätzung der Krankheit und einem möglich Umgang damit gibt es verschiedenste Stimmen. Wir müssen uns deshalb umfassend informieren und eine objektive Entscheidungsgrundlage hinbekommen. Zentral für uns bleibt weiterhin, dass die Erkrankung selber nicht für alle zwangsweise tödlich oder extrem gefährlich ist, sondern eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems und eine Nicht–Gewährleistung einer angemessenen Gesundheitsversorgung im Krankheitsfall, das eigentliche Problem darstellt. Im aktuell sowieso schon überlasteten deutschen Gesundheitssystem ist flatten the curve deshalb vermutlich der gangbare Umgang mit der Krisensituation. Wir müssen jedoch scharf kritisieren, dass das Gesundheitssystem in den letzten Jahren vernachlässigt und kaputtgespart wurde und hinter wirtschaftlichen Interessen zurücktreten musste.