Was ist eigentlich mit unseren Renten los?

In keiner Bevölkerungsgruppe steigt die Zahl der von Armut betroffenen so stark wie bei den Rentnerinnen und Rentnern. Im Jahr 2017 belief sich die Zahl der armutsgefährdeten Rentner und Pensionäre auf 3,2 Millionen Menschen. Das macht 18,7% dieser Gruppe. Diese Zahl wird sich in den nächsten Jahren deutlich erhöhen. Gründe dafür sind zu niedrige Löhne, Teilzeitbeschäftigung und Lücken in den Beschäftigungsbiografien. Seit der Verabschiedung der Agenda 2010 vor 17 Jahren arbeitet fast jeder vierte im Niedriglohnsektor, d.h. er oder sie bekommt weniger als 10,80€ die Stunde. Damit hat Deutschland den größten Niedriglohnsektor Europas. 1,2 Millionen Erwerbstätige waren 2019 zudem noch auf zusätzliche staatliche Hilfen angewiesen, weil der Lohn nicht reichte. Das sind alles Bedingungen, die dazu führen, dass die Altersarmut steigen wird, dass Rentner auf Nebenjobs im hohen Alter angewiesen sind (2017 waren es 1.074.689), dass sie Pfandflaschen sammeln müssen.

Die sogenannte Standardrente lag 2019 bei 45 % des durchschnittlichen Bruttogehalts, das sind 1487,25€ im Westen und 1435,05€ im Osten. Um auf diese Rente zu kommen, müsste man aber 45 Jahre durchgehend gearbeitet, in die Rentenkasse eingezahlt und stets das Durchschnittseinkommen bekommen haben. Es kommt also zu Abzügen, wenn der eigene Lohn unter dem Durchschnitt liegt. Damit sind wir wieder am Anfang unseres Textes. Fast jeder vierte Beschäftigte in Deutschland arbeitet im Niedriglohnsektor und somit unter dem durchschnittlichen Einkommen. Wer den gesetzlichen Mindestlohn bekommt, müsste rund 60 Jahre arbeiten, um eine Rente auf Niveau der Grundsicherung zu bekommen. Zudem kommen nur wenige Menschen auf die 45 Beitragsjahre: beispielsweise arbeiten Frauen im Westen durchschnittlich nur 28,06 Jahre. Die Altersarmut ist also vorprogrammiert. Im Vergleich liegt der durchschnittliche Zahlbetrag bei Frauen im Westen derzeit bei 647€ und im Osten bei 962€. Der Betrag für Männer liegt mit 1.130€ (Westen) und 1.226€ (Osten) etwas drüber.

Der Kampf um das Eintrittsalter

1916 wurde das Renteneintrittsalter mit 65 festgelegt. 2007 wurde dieses unter der Koalition von CDU/CSU und SPD wieder auf 67 erhöht. Unternehmerverbände fordern heutzutage sogar eine Erhöhung auf 70. Das entspricht aber nicht der Realität. Real gehen die Beschäftigten mit 61 Jahren in Rente, was automatisch zu Kürzungen der Rente führt.

Die Grundrente

Die letztes Jahr von der Bundesregierung beschlossene Grundrente soll jetzt ausbügeln, was jahrelang an Sozialabbau betrieben wurde. Voraussetzung sind 35 Jahre Einzahlung in die Rentenkasse und eine Einkommensprüfung. Die Grundrente soll 10% über der Sozialhilfe im Alter liegen, also bei ca. 880€. Lediglich 1,5 Millionen Rentner würden nach den Voraussetzungen die Grundrente erhalten. Dafür werden 1,5 Mill. Euro von der Bundesregierung aufgebracht. Kurzer Vergleich: für den Verteidigungshaushalt sind 2020 45,2 Milliarden Euro eingeplant.

Fehlt das Geld?

Deutschland ist einer der Exportweltmeister. Das Volkseinkommen hat sich seit 1991 mehr als verdoppelt und beträgt jetzt rund 2.56 Billionen Euro. Die Unternehmen schütten jedes Jahr horrende Summen an Dividenden aus. Auf die Reallöhne hat das keinen Einfluss, diese stagnieren seit Jahren. Dadurch steigen auch die Beiträge zur Rentenversicherung, die Teil vom Lohn sind, nicht. Anstatt also die Löhne zu erhöhen, dadurch die Rentenbeiträge zu vergrößern und somit der Altersarmut entgegen zu wirken, sollen über Modelle wie die Grundrente unsere Renten über Steuergelder finanziert werden. Die Forderung nach menschenwürdigen Renten beinhaltet also auch immer die Forderung nach höheren Löhnen.

Wir fordern:

  • ein solidarisches Rentensystem, jeder muss einzahlen
  • sofortige Rücknahme der Agenda 2010
  • Zurück zur Rente mit 70% des Nettolohns
  • höhere Löhne für eine höhere Rente
  • Renteneintrittsalter runter auf 60
  • Mindestrente bemessen am Durchschnittseinkomme

Quellen

https://www.versicherungsbote.de/id/4888520/Armutsgefaehrdung-im-Alter-nimmt-massiv-zu/

https://www.capital.de/wirtschaft-politik/der-niedriglohnsektor-ist-fuer-viele-beschaeftigte-eine-falle

https://www.dgb.de/themen/++co++8b578f56-6109-11e9-9fde-52540088cada

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/39060/umfrage/monatliche-standardrente-der-gesetzlichen-rentenversicherung-seit-1990/

https://www.saarbruecker-zeitung.de/nachrichten/politik/inland/zum-1-juli-steigen-die-renten-in-ost-und-west-um-drei-bis-vier-prozent_aid-39755421

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/161332/umfrage/entwicklung-des-volkseinkommens-in-deutschland/

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