Corona und Abitur

Seit Mitte März wurden, nachdem zuvor bereits Veranstaltungen mit über 1000 Leuten untersagt wurden, unsere und alle anderen Schulen in Sachsen geschlossen. Für uns Schüler hieß das konkret: „Die Osterferien wurden um einen Monat im Voraus verlängert.“ Die 11. und 12. Klassen wurden an dem Freitag, als diese Entwicklung bereits abzusehen war mit einem Zugang zu einer Online-„Lernplattform“ ausgestattet. Darüber ist es möglich für Lehrer mit Schülern in Kontakt zu treten. 

Die erste Woche war die Seite in Folge des landesweiten Zugriffs heillos überlastet und ein vernünftiges Arbeiten mit ihr nicht möglich. Die vier Wochen vor den Osterferien, die normalerweise zur Auswertung der Vorprüfungen und zur Vorbereitung auf das Abitur genutzt werden, durften wir jetzt für das „selbständige Lernen“ verwenden. Sprich, es wurde abhängig vom Lehrer mehr oder weniger dafür getan, dass die Schüler zuhause beschäftigt werden. Manche Lehrer schickten Aufgaben, deren Bearbeitung jedem Schüler freistand, andere wiederum erwarteten Texte, die zur Benotung standen und wieder andere gingen weiter im Lehrplan. Es mussten Themengebiete aus Arbeitsblättern von Schüler selbst erarbeitet und verstanden werden.   

Das, was in der Schule an „gemeinsamen Nenner“ für die Bildung da ist, der Unterricht, wird in diesen Zeiten abhängig vom sozialen Gefüge der Schüler. Wessen Eltern sich kein gutes Internet leisten können, sitzt lange vor dem PC und wartet darauf, dass die Aufgaben runtergeladen wurden oder hat nicht die Chance an vereinzelt stattfindenden Videokonferenzen teilzunehmen. Gerade jetzt wo viele Eltern in Home-Office sind müssen sich die Schüler mit diesen die Zeiten am PC einteilen und können Aufgaben nicht fristgerecht abgeben.   

Dazu kam die Ungewissheit, ob die Prüfungen überhaupt stattfinden. Seit Anfang der Schulschließung wurden wir von unserer Schulleitung immer wieder darüber informiert, dass alles wie gehabt stattfinden wird. Wir wurden zu den Prüfungen belehrt und erhielten unsere Kennnummern. Nebenbei wurde man immer wieder über die Medien über die Vorgänge in anderen Bundesländern informiert. So wurde in Schleswig-Holstein die Prüfung erst abgesagt und nach einer Kulturministerkonferenz wieder aufgenommen.  

Es kam zu Onlinepetitionen von Seiten verschiedener Schüler, die ein „Durchschnittsabitur“, ein Abitur ohne Prüfungen, forderten. Auch der DGB fordert jetzt eine Absage der verschiedenen Abiturprüfungen. Dafür spricht, dass es angesichts der fehlenden Vorbereitungszeit in der Schule und der allgemeinen Stresssituation im Land es den Schülern verwehrt war sich angemessen auf die Prüfungen vorzubereiten. Die Möglichkeiten, sich den verbliebenen Stoff anzueignen und für die Prüfungen zu üben, wurden stark abhängig vom sozialen Umfeld.  Auch verschafft die Möglichkeit eines Zweittermins für die Prüfungen dem Problem der fehlenden Vorbereitung keine Abhilfe. 

Daher muss die Forderung sein:  

Keine Abiturprüfungen in diesem Jahr, ähnlich wie es auch bei den Studenten in den Forderungen zu einem Solidarsemester begründet wurde, gilt auch für Schüler, dass dieses Schuljahr nicht mit denselben Regelungen durchgeführt werden kann. Die Forderungen von DGB und GEW sind daher richtig. Es sollte allerdings achtgegeben werden, dass dies nicht zu einer Abwertung des Abiturs führt. Sowas würde nicht den Forderungen entsprechen.  

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