Sportvereine und Ausgangsbeschränkungen

Ein Gespräch mit der Sportschule International

Die Ausgangsbeschränkungen betreffen natürlich auch das Vereinsleben. Wir haben uns gefragt, wie andere Vereine damit umgehen und haben dazu Matthias Eichler aus der Sportschule International befragt, einer Kiezboxstube im Leipziger Osten. Schon in der Vergangenheit arbeiteten unsere Vereine zusammen – vor allem zum Thema Waffenverbotszone (beispielsweise mit der Kampagne „Keine Messer, keine Polizei“.

ZweiEck: Von den Ausgangsbeschränkungen waren direkt zu Beginn auch Vereine betroffen – Was bedeutet das für die Sportschule International?

M.E.: Hallo und Sport Frei! Mein Name ist Matthias Eichler und bin von der Sportschule International im Leipziger Eisenbahnstraßen Kiez. Die Ausgangsbeschränkungen, welche durch den Freistaat Sachsen getroffen wurden, trafen uns als Verein nicht überraschend. Wir waren im Vorfeld informiert, durch befreundete Vereine und Gyms aus Österreich und Nordrhein-Westfalen, die teilten uns mit, was auf uns zukommen wird. Also hatten wir am Freitag den 13.3.!!! unsere letzte gemeinsame Gruppentrainingszeit. Danach wurden alle unsere Sportler und Mitglieder informiert, dass wir bis vorläufig 19.4. das Gym geschlossen haben. Natürlich waren alle traurig, aber aus der damaligen gesundheitlichen Sicht war es akzeptiert.

ZweiEck: Die Sportschule International ist ja auch sowas wie eine große Familie, die sich unterstützt und austauscht – Bleibt ihr trotz Corona in Kontakt? Wie sieht es mit der sportlichen Betätigung aus?

M.E.: Das absolut Tolle und Positive in unserem Verein ist, dass wir quasi kein herkömmlicher Verein sind, sondern eher eine familiäre Gemeinschaft, welche auch außerhalb des Trainingsbetriebes vieles gemeinsam unternimmt.
Der soziale Kontakt ist in keinster Sekunde bei uns abgebrochen oder weniger geworden, täglich sind wir telefonisch, per Gruppenchat oder Internet im Gespräch. Wir geben uns Tipps für Trainingsübungen zu Hause oder an der frischen Luft, sprechen auch über unsere Situation und was sie mit uns macht. Also jeder macht sich Gedanken, wie er sich bisschen fit hält und auch die anderen aufmuntert. Mir persönlich fehlt unsere Gemeinschaft sehr und schlägt sich auch manchmal auf mein Gemüt.

ZweiEck: Was heißt Corona für die finanzielle Situation von kleinen Sportvereinen?

M.E.: Die wirtschaftliche Situation wird sich in unterschiedlichen Weisen auf die kleinen Vereine auswirken. Zu unserer Ausgangslage muss ich sagen, wir sind ein eingetragener Verein jedoch ohne eine Zugehörigkeit im Landes- oder Stadtsportbund. Wir haben diesen Schritt bewusst gewählt, da uns bewusst ist, dass man sich nur selber helfen und unterstützen kann, ohne vielleicht auf Unterstützung der Kommune oder des Landes zu hoffen.
Daher wirtschaften wir im absolut überschaubaren Rahmen ohne uns irgendwelcher Abhängigkeiten auszuliefern. Natürlich sehe ich die Gefahr, dass Vereine mit der Krisensituation schwere Probleme bekommen, gerade wenn hohe Miet-und Betriebskosten sie belasten und eventuell ein Mitgliederschwund sich einstellt.
Hinsichtlich unseres Vereins, den ich liebevoll immer unser „Box-Wohnzimmer“ nenne, habe ich eine große Unterstützungs- und Solidaritätswelle verspürt. Alle zahlen weiterhin ihre Beiträge, es gibt zusätzliche Spenden und Unterstützung gerade im Hinblick auf unser Sozialprojekt: „Wer boxt, prügelt nicht!“, dafür bin ich allen unendlich dankbar.
Eine Sache hat uns jetzt mit dieser Situation explizit betroffen, dass wir unsere 2. Kiez Box Gala am 23.Mai 2020 nicht durchführen können, einmal aus wirtschaftlichen/finanziellen zum zweiten aus sportlichen Gründen. Dies ist sehr bedauerlich und wirft natürlich mental uns nach hinten, weil es immer ein Jahreshöhepunkt für unsere Sportler und unserem Publikum ist.

ZweiEck: Was ist deine größte Sorge, was Corona und deine Mitglieder angeht?

M.E.: Die größte Sorge für meine Sportler und Mitglieder ist, dass jemand krank wird, dass er seine Arbeit verliert oder gesellschaftlich abzurutschen droht. Dies versuchen wir natürlich mit unserem breit aufgestellten Netzwerk zu verhindern und schauen schon sehr genau, wo Hilfe und Unterstützung von Nöten ist.

ZweiEck: Die Sportschule International, der Arbeitersport Leipzig e.V. und der Nachbarschaftsverein ZweiEck hatten vor fast einem Jahr die Kampagne „Keine Messer, keine Polizei“ gestartet – die Sportschule International ist mitten im Brennpunkt derWaffenverbotszone“ – Wie wirkt Corona sich auf die Situation dort aus? Werden Polizeikontrollen dort jetzt besonders verschärft?

M.E.: Unsere gemeinsame Kampagne hat sich in unserem Kiez positiv ausgewirkt und wir bekamen durchweg gute Rückmeldung von Freunden, Bekannten, Bewohnern und Gewerbetreibenden. Jedoch muss man aus politischer Sicht eine klare Aussage treffen, dass sich die Kriminalität im Bezug auf Waffengewalt in keinster Weise zum positiven geändert hat. Auch die verstärkte Präsenz und verdachtsunabhängige Kontrollen haben zugenommen, was ich aber auch den vergangenen Landtagswahlen und der vollzogenen Bürgermeisterwahl schulde. Jetzt in den Wochen der Krise sind natürlich die Kontrollen heftiger geworden und stoßen meines Erachtens auch auf viel Missfallen und Missmut. Ein bisschen mehr „Bürgernähe“ und „Fingerspitzengefühl“ wünsche ich mir vor allem von den martialisch auftretenden polizeilichen Gruppenkräften. Speziell in unserem Eisenbahnstraßen Kiez haben die Be- und Anwohner ganz feine Antennen, wenn sich Sachen aus dem gesellschaftlich friedlichen Nebeneinander aus dem Ruder bewegen. Das Verhältnis zwischen den vor Ort befindlichen Polizeibeamten des Revier-Postens und den täglich anwesenden Mitarbeitern des Ordnungsamtes ist sehr positiv zu bewerten, da auch hier die Kommunikation im zwischenmenschlichen Bereich Priorität hat.
Insgesamt kann ich aus meiner Sichtweise eine durchaus positive Entwicklung des Kiezes feststellen, die gastronomischen und kulturellen Bereiche haben sich fest etabliert und sorgen für ein gutes Lebensgefühl.

Zweieck: Gibt es noch was, was du in diesen Zeiten allen mitgeben willst/besonders wichtig findest?

M.E.: Zum Abschluss wünsche ich mir, dass wir alle gesund bleiben und ohne seelische, finanzielle und persönliche Probleme diese Krise überwinden. An die guten Sachen der Gemeinschaft, der Solidarität und des Zusammenhaltes über die bestehende Krise hinaus zu behalten. Denn ich bin mir sicher, dass es auf jeden Fall nicht leichter und einfacher in unserer Gesellschaft wird.

In diesem Sinne bleibt gesund und auf ein baldiges Wiedersehen!

Matthias Eichler – Sportschule International – Der Kiez Box Club
https://www.sportschule-international.com/


Anmerkung: Ps. auch die Mitglieder unseres Nachbarvereins, der Arbeitersport Leipzig, bleiben in diesen Zeiten aktiv. Die Hallentüren haben zwar geschlossen, sie haben aber u.a. ein Sportprogramm für Groß und Klein zusammengestellt. Das findet ihr auf unserer Website hier.

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