Schule zur Zeit von Corona – Die Perspektive zweier Lehrer

Einige unserer ZweiEck-Mitglieder sind Lehrer. Zwei von ihnen haben sich zusammengesetzt und schildern ihre Sicht der Dinge. Aber lest selbst…

Die Situation trifft wie immer diejenigen, die es eh schon schwer haben.

In Artikel 28 der Kinderrechtskonventionen steht, dass jedes Kind ein „Recht auf Bildung“ hat. Alle gesetzlichen Maßnahmen in diesem Artikel dienen dazu, Chancengleichheit zu ermöglichen. Hat damit also jedes Kind die gleichen Möglichkeiten im Bildungssystem? Dies muss mit einem klaren „Nein!“ beantwortet werden. Studien zeigen immer wieder alarmierend (z.B. Pisa-Studie), dass der Bildungserfolg von Kindern in Deutschland in sehr hohem Maße von ihrer finanziellen Situation, Bildungsgrad der Eltern und häuslichen Situation abhängt. Besonders betroffen sind Kinder mit Migrationshintergrund, deren Eltern in prekären Arbeitsverhältnissen stecken oder denen der Zugang zum Arbeitsmarkt ganz verwehrt wird.

Was bedeutet die derzeitige Krise für diese Kinder, die ohnehin schon benachteiligt sind? Nichts Gutes! Die Schulen wurden angehalten, ihren Schülern Aufgaben für die „freie“ Zeit mit nach Hause zu geben. So sitzen die Kinder und Jugendliche jetzt mit einem Berg von Hausaufgaben zuhause, wo sie die Hälfte der Aufgaben nicht verstehen, sich ihr Zimmer mit zwei anderen Geschwistern teilen müssen und keine Ruhe finden, um zu lernen. Parallel bieten Online-Lernplattformen ihre Dienste jetzt kostenlos an. Die Lehrer stellen den Eltern die Links zur Verfügung und empfehlen eine App nach der anderen. Die wenigsten Eltern haben jedoch einen Laptop oder Handy für jedes Kind zuhause, geschweige denn einen Drucker, um sich die Arbeitsblätter auszudrucken. Das Kind wird also realistisch die wenigsten Aufgaben davon schaffen. Es fällt im Lernstoff zurück.

Damit wird die soziale Ungleichheit nur weiter stabilisiert: Kinder aus reicheren Haushalten bewältigen die Aufgaben besser, Kinder aus ärmeren Haushalten bleiben hängen. Die Bewertung der Aufgaben ist eigentlich nicht zulässig, doch seien wir mal ehrlich, in dem Moment, wo das Kind/ der Jugendliche die Schule wieder betritt, werden die Inhalte vorausgesetzt und die Bewertung greift.

Es zeigt sich: Diese Zustände sind hausgemacht. Die frühe und extreme Selektion im Bildungssystem in Deutschland ist politisch gewollt- sonst hätte sich schon längst einiges geändert. So wird die Forderung der Gewerkschaft für Erziehung Wissenschaft (GEW), eine Gemeinschaftsschule in Deutschland einzuführen, schlichtweg ignoriert.

Deshalb müssen wir Lehrerinnen und Lehrer jetzt endlich laut werden und diese Ungerechtigkeit, die sich durch unser ganzes Bildungssystem zieht und durch die Zustände gerade nur noch deutlicher zu Tage tritt, anprangern. Wir müssen den Kampf gegen diese Ungerechtigkeiten gemeinsam mit den betroffenen Eltern und auch Kindern führen, indem wir Forderungen wie die Gemeinschaftsschule zur Not auch erstreiken. Es kann nicht sein, dass wir weiterhin einen Großteil der Kinder und Jugendlichen einfach fallen lassen.

Recht auf Bildung? Nur, wenn wir auch dafür kämpfen!

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