Reaktion auf das Statement der Landesrektorkonferenz Sachsen zur Forderung des „Nicht-Semesters“

Vor einigen Tage veröffentlichten wir als Solidarischer Studententreff (SST), dass wir die Forderungen des offenen Briefs zum „Nicht – Semester“ unterstützen [1,2]. Die Universität Leipzig verwies uns daraufhin auf ein Statement der Landesrektorenkonferenz Sachsen (LRK Sachsen), in dem es da heißt:
„𝘉𝘦𝘻𝘶𝘨𝘯𝘦𝘩𝘮𝘦𝘯𝘥 𝘢𝘶𝘧 𝘥𝘦𝘯 𝘖𝘧𝘧𝘦𝘯𝘦𝘯 𝘉𝘳𝘪𝘦𝘧: „𝘋𝘢𝘴 𝘚𝘰𝘮𝘮𝘦𝘳𝘴𝘦𝘮𝘦𝘴𝘵𝘦𝘳 𝘮𝘶𝘴𝘴 𝘦𝘪𝘯 𝘕𝘪𝘤𝘩𝘵-𝘚𝘦𝘮𝘦𝘴𝘵𝘦𝘳 𝘸𝘦𝘳𝘥𝘦𝘯“ 𝘥𝘦𝘳 𝘗𝘳𝘰𝘧𝘦𝘴𝘴𝘰𝘳𝘪𝘯𝘯𝘦𝘯 𝘗𝘢𝘶𝘭𝘢-𝘐𝘳𝘦𝘯𝘦 𝘝𝘪𝘭𝘭𝘢 𝘉𝘳𝘢𝘴𝘭𝘢𝘷𝘴𝘬𝘺 (𝘓𝘔𝘜 𝘔ü𝘯𝘤𝘩𝘦𝘯), 𝘈𝘯𝘥𝘳𝘦𝘢 𝘎𝘦𝘪𝘦𝘳 (𝘜𝘯𝘪𝘷𝘦𝘳𝘴𝘪𝘵ä𝘵 𝘛𝘳𝘪𝘦𝘳) 𝘶𝘯𝘥 𝘙𝘶𝘵𝘩 𝘔𝘢𝘺𝘦𝘳 (𝘓𝘦𝘪𝘣𝘯𝘪𝘻 𝘜𝘯𝘪𝘷𝘦𝘳𝘴𝘪𝘵ä𝘵 𝘏𝘢𝘯𝘯𝘰𝘷𝘦𝘳) 𝘵𝘦𝘪𝘭𝘵 𝘥𝘪𝘦 𝘓𝘢𝘯𝘥𝘦𝘴𝘳𝘦𝘬𝘵𝘰𝘳𝘦𝘯𝘬𝘰𝘯𝘧𝘦𝘳𝘦𝘯𝘻 𝘚𝘢𝘤𝘩𝘴𝘦𝘯 𝘮𝘪𝘵, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘥𝘪𝘦 𝘴ä𝘤𝘩𝘴𝘪𝘴𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘏𝘰𝘤𝘩𝘴𝘤𝘩𝘶𝘭𝘦𝘯 𝘢𝘬𝘵𝘶𝘦𝘭𝘭 𝘥𝘢𝘳𝘢𝘯 𝘧𝘦𝘴𝘵𝘩𝘢𝘭𝘵𝘦𝘯, 𝘥𝘢𝘴 𝘬𝘰𝘮𝘮𝘦𝘯𝘥𝘦 𝘚𝘰𝘮𝘮𝘦𝘳𝘴𝘦𝘮𝘦𝘴𝘵𝘦𝘳 𝘪𝘮 𝘐𝘯𝘵𝘦𝘳𝘦𝘴𝘴𝘦 𝘥𝘦𝘳 𝘚𝘵𝘶𝘥𝘪𝘦𝘳𝘦𝘯𝘥𝘦𝘯 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘻𝘶 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘮 „𝘕𝘪𝘤𝘩𝘵-𝘚𝘦𝘮𝘦𝘴𝘵𝘦𝘳“ 𝘦𝘳𝘬𝘭ä𝘳𝘦𝘯 𝘻𝘶 𝘸𝘰𝘭𝘭𝘦𝘯.“ [3]

Das Sommersemesters 2020 soll also weiterhin als formell geltendes Semester durchgeführt werden. Der Beginn von Präsenzveranstaltungen wurde auf frühestens 04.05.2020 verschoben. Präsenzveranstaltungen die vorher hätten stattfinden sollen, werden nun in den digitalen Raum verlegt. [4]

Im Statement der LRK Sachsen heißt es dazu weiterhin:
„[…] 𝘥𝘪𝘦 𝘴ä𝘤𝘩𝘴𝘪𝘴𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘏𝘰𝘤𝘩𝘴𝘤𝘩𝘶𝘭𝘦𝘯 𝘳𝘪𝘤𝘩𝘵𝘦𝘯 𝘢𝘭𝘭𝘦 𝘪𝘩𝘳𝘦 𝘒𝘳ä𝘧𝘵𝘦 𝘢𝘶𝘧 𝘥𝘪𝘦 𝘣𝘦𝘴𝘵𝘮ö𝘨𝘭𝘪𝘤𝘩𝘦 𝘚𝘪𝘤𝘩𝘦𝘳𝘴𝘵𝘦𝘭𝘭𝘶𝘯𝘨 𝘥𝘦𝘳 𝘓𝘦𝘩𝘳-𝘶𝘯𝘥 𝘗𝘳ü𝘧𝘶𝘯𝘨𝘴𝘢𝘯𝘨𝘦𝘣𝘰𝘵𝘦, 𝘥𝘢𝘮𝘪𝘵 𝘥𝘪𝘦 𝘚𝘵𝘶𝘥𝘪𝘦𝘳𝘦𝘯𝘥𝘦𝘯 𝘦𝘪𝘯 𝘦𝘳𝘧𝘰𝘭𝘨𝘳𝘦𝘪𝘤𝘩𝘦𝘴 𝘚𝘰𝘮𝘮𝘦𝘳𝘴𝘦𝘮𝘦𝘴𝘵𝘦𝘳 2020 𝘵𝘳𝘰𝘵𝘻 𝘉𝘦𝘦𝘪𝘯𝘵𝘳ä𝘤𝘩𝘵𝘪𝘨𝘶𝘯𝘨𝘦𝘯 𝘪𝘯 𝘷𝘦𝘳𝘢𝘯𝘵𝘸𝘰𝘳𝘵𝘣𝘢𝘳𝘦𝘳 𝘞𝘦𝘪𝘴𝘦 𝘥𝘶𝘳𝘤𝘩𝘧ü𝘩𝘳𝘦𝘯 𝘬ö𝘯𝘯𝘦𝘯.“ [3]

Was genau für Beeinträchtigungen „verantwortbar“ sind, wird jedoch nicht näher erläutert (weder für Studierende noch für Lehrende). Stattdessen wird darauf hingewiesen, dass man die Schaffung von Onlineangeboten engagiert verfolgen würde und dies auf Hochtouren liefe. Darüber hinaus würden Bemühungen angestellt, Praktika und Exkursionen unter anderen Bedingungen stattfinden zu lassen oder zu ersetzen.

Die LRK Sachsen äußert außerdem: „𝘋𝘪𝘦 𝘌𝘳𝘬𝘭ä𝘳𝘶𝘯𝘨 𝘥𝘦𝘴 𝘚𝘰𝘮𝘮𝘦𝘳𝘴𝘦𝘮𝘦𝘴𝘵𝘦𝘳𝘴 2020 𝘻𝘶 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘮 „𝘕𝘪𝘤𝘩𝘵-𝘚𝘦𝘮𝘦𝘴𝘵𝘦𝘳“ 𝘩ä𝘵𝘵𝘦 𝘢𝘶𝘴 𝘚𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘥𝘦𝘳 𝘓𝘢𝘯𝘥𝘦𝘴𝘳𝘦𝘬𝘵𝘰𝘳𝘦𝘯𝘬𝘰𝘯𝘧𝘦𝘳𝘦𝘯𝘻 𝘚𝘢𝘤𝘩𝘴𝘦𝘯 𝘸𝘦𝘪𝘵𝘳𝘦𝘪𝘤𝘩𝘦𝘯𝘥𝘦 –𝘨𝘨𝘧. 𝘻𝘶𝘮 𝘫𝘦𝘵𝘻𝘪𝘨𝘦𝘯 𝘡𝘦𝘪𝘵𝘱𝘶𝘯𝘬𝘵 𝘯𝘰𝘤𝘩 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘢𝘣𝘴𝘦𝘩𝘣𝘢𝘳𝘦 –𝘯𝘦𝘨𝘢𝘵𝘪𝘷𝘦 𝘍𝘰𝘭𝘨𝘦𝘯 𝘧ü𝘳 𝘥𝘪𝘦 𝘚𝘵𝘶𝘥𝘪𝘦𝘳𝘦𝘯𝘥𝘦𝘯.“ [3]

Eine nähere Erläuterung oder Einschätzung der möglichen negativen Folgen bei der Durchführung eines „Nicht – Semesters“ wird allerdings nicht gegeben. Auch inwiefern die Durchführung eines regulären Semesters dementgegen angemessen auf die aktuelle Situation vieler Studierenden und Lehrenden reagiert, bleibt offen.

Stattdessen wird damit geendet: „𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘥𝘢𝘴 𝘚𝘰𝘮𝘮𝘦𝘳𝘴𝘦𝘮𝘦𝘴𝘵𝘦𝘳 2020 𝘧ü𝘳 𝘢𝘭𝘭𝘦 𝘏𝘰𝘤𝘩𝘴𝘤𝘩𝘶𝘭𝘦𝘯 𝘪𝘯 𝘋𝘦𝘶𝘵𝘴𝘤𝘩𝘭𝘢𝘯𝘥, 𝘰𝘥𝘦𝘳 𝘷𝘪𝘦𝘭𝘭𝘦𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘴𝘰𝘨𝘢𝘳 𝘧ü𝘳 𝘢𝘭𝘭𝘦 𝘏𝘰𝘤𝘩𝘴𝘤𝘩𝘶𝘭𝘦𝘯 𝘸𝘦𝘭𝘵𝘸𝘦𝘪𝘵, 𝘦𝘪𝘯 𝘣𝘦𝘴𝘰𝘯𝘥𝘦𝘳𝘦𝘴 𝘴𝘦𝘪𝘯 𝘸𝘪𝘳𝘥.“ [3]

Ein „besonderes“ Semester also. Das reiht sich ein in die vielen Apelle an Kreativität, Phantasie und Engagement, die jetzt gefragt seien. So lautet der Titel eines Gastbeitrags des Präsidenten der FU Berlin (Prof. Günter M. Ziegler) im Tagesspiegel: „Auf ins Kreativsemester“. „Ein Sommersemester der Ideen und Innovationen“ solle das kommende Semester werden, die Universität selber würde zum Experimentierlabor und neue Impulse könnten gegeben werden. Er schreibt: „𝘋𝘪𝘦 𝘜𝘯𝘪𝘷𝘦𝘳𝘴𝘪𝘵ä𝘵 𝘴𝘵𝘦𝘭𝘭𝘵 𝘪𝘩𝘳𝘦 𝘛ä𝘵𝘪𝘨𝘬𝘦𝘪𝘵𝘦𝘯 𝘶𝘮, 𝘦𝘳𝘴𝘤𝘩𝘭𝘪𝘦ß𝘵 𝘯𝘦𝘶𝘦 𝘔ö𝘨𝘭𝘪𝘤𝘩𝘬𝘦𝘪𝘵𝘦𝘯 𝘶𝘯𝘥 𝘴𝘵𝘦𝘮𝘮𝘵 𝘦𝘪𝘯 𝘨𝘢𝘯𝘻 𝘢𝘶ß𝘦𝘳𝘨𝘦𝘸ö𝘩𝘯𝘭𝘪𝘤𝘩𝘦𝘴 𝘈𝘯𝘨𝘦𝘣𝘰𝘵.“ Es sollen verschiedene flexible Studien- und Studienabschlussmöglichkeiten geschaffen werden und dafür mit maximaler Kulanz innerhalb der bestehenden Regelungen und gesetzlichen Vorgaben gearbeitet werden. [5]

Wir sagen, dieses Vorgehen spottet den Situationen prekarisierter Studierender [6,7,8] und ohnehin schon überlasteter Lehrender [9,10,11]. Was Flexibilisierung, Kreativität und Phantasie unserer Gesellschaft in den letzten Jahren gebracht hat, haben wir z.B. infolge der Agenda 2010 ausreichend gesehen. Der Aufbau eines riesigen Niedriglohnsektors, in dem sich u.a. sehr viele Studierende befinden, sowie der stetige Abbau von Arbeits- und Sozialrechten uvm. haben seither stattgefunden [12,13].

In der aktuellen Lage brauchen wir keine wohlklingenden Worte und Beschönigungen, wir wollen:

  • Sicherheit und Regelungen, die vorallem diejenigen nicht benachteiligen, die sowieso schon Mehrfachbelastungen ausgesetzt sind (zusätzliche Jobs, Kinder, finanzielle Problemlagen und fehlende Rücklagen, …)
  • nicht abhängig sein von der Kulanz Einzelner und individuellen Entscheidungen, sondern brauchen klare Rechte und Regelungen, auf die wir uns beziehen und verlassen können
  • Entscheidungen, die auch außeruniversitäre Ebenen der Lebenssituation von Studierenden und Lehrenden miteinbeziehen und sie damit nicht gegen die Wand fahren lässt

Im aktuellen Vorgehen sehen wir die Gefahr, dass Studierende hinten runterfallen, denen es aus verschiedensten Gründen aktuell nicht möglich ist, dem normalen Studienbetrieb zu folgen, die aber gleichzeitig darauf angewiesen sind, in Regelstudienzeit und geregelten Verhältnissen ihr Studium zu absolvieren. Sie werden mit ihren Problemen zu großen Teilen auf sich alleine gestellt sein und müssen sich individuell um Lösungen bemühen. Abgesehen davon, befürchten wir eine massive Überbelastung der Lehrenden und u.a. eine damit einhergehende Abnahme der Qualität der Lehre. Auch wir wollen nicht, dass das Semester schlicht ausfällt und negative Konsequenzen folgen, wie dem Konzept so oft vorgeworfen wird. Wir wollen, dass Studierenden die Möglichkeit geboten wird, Module und Prüfungsleistungen ablegen zu können, nicht jedoch zu müssen, um dem formellen Anspruch eines regulären Semesters gerecht zu werden. Wir bleiben deshalb weiterhin dabei, dass die Forderungen zum „Nicht – Semester“ richtig und wichtig sind und fordern alle Lehrenden und Studierenden dazu auf, sich zum Thema zu informieren und darüber auszutauschen. Gemeinsam müssen wir uns für unsere Interessen stark machen!

𝗤𝘂𝗲𝗹𝗹𝗲𝗻:
[1] https://www.nichtsemester.de/cbxpetition/offener-brief/
[2] https://sstleipzig.wordpress.com/…/zur-forderung-des-nicht…/
[3] https://www.lrk-sachsen.de/…/2020_03_26-Pressemitteilung-Ni…
[4] https://www.uni-leipzig.de/…/bestmoegliche-sicherstellung-…/
[5] https://www.tagesspiegel.de/…/uni-mit-minimal…/25677680.html
[6]https://www.tagesspiegel.de/…/sozialerhebung-…/19984618.html
[7] https://www.studentenwerke.de/…/21-sozialerhebung-der-finan…
[8] ARD: „Die Illusion der Chancengleichheit“ https://www.youtube.com/watch?v=MyAZJ3gz90c
[9]https://www.verdi.de/…/bildung-wis…/1/4F_ux1X5iTeh-J-JqA2soX
[10] https://www.neues-deutschland.de/…/1131510.arbeiten-an-der-…
[11]https://www.deutschlandfunk.de/zukunftsvertrag-fuer-mehr-da…
[12]https://www.deutschlandfunk.de/agenda-2010-was-die-hartz-re…
[13] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/299235/hartz-iv


𝘄𝗲𝗶𝘁𝗲𝗿𝗲 𝗤𝘂𝗲𝗹𝗹𝗲𝗻:
https://www.uni-leipzig.de/…/bestmoegliche-sicherstellung-…/
https://www.br.de/…/onlinevorlesungen-uni-nicht-semester-kr…
https://www.deutschlandfunk.de/coronavirus-und-hochschulen-…
https://www.tagesspiegel.de/…/folgen-der-coro…/25672436.html
https://www.freie-radios.net/98286
http://frististfrust.net/
https://www.change.org/p/hochschulrektorenkonferenz-kann-se…

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