Zur Forderung des „Nicht-Semesters“

Wie es aktuell in den deutschen Hochschulen aussieht, können wir uns nur schwer vorstellen. Leere Säle, Bibliotheken, Mensen, nichts geht mehr. Die zentralen Orte und Abläufe des universitären Alltags sind auf Eis gelegt. Die Belastung der Studierenden, Lehrenden und Forschenden damit jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Die Unsicherheiten in Zusammenhang mit der aktuellen Covid-19-Krise dauern an und wann ein normaler Studienbetrieb wieder aufgenommen werden kann, bleibt unklar. Vorallem erwerbstätige und ausländische Studierende, Personen mit Verpflichtungen gegenüber Kindern oder anderen Verwandten oder prekär und befristet Beschäftigte unserer Hochschulen sind hoher Belastung, möglichen Notsituationen und Nachteilen ausgesetzt. Wie soll man bspw. für die anstehenden Prüfungen lernen, noch 3 Hausarbeiten abliefern und gleichzeitig auf die Kinder aufpassen? Was passiert mit der Abschlussarbeit, wenn ich nicht im Institut arbeiten kann und meine Abgabefristen überziehe? Wie kann ich das kommende Semester finanzieren, wenn meine Arbeitsstelle grade zugemacht hat? Wird die Dauer meiner Projektfinanzierung verlängert, wenn ich unverschuldet an der Arbeit gehindert bin oder werde ich demnächst arbeitslos?

In einem offenen Brief fordern die Initiatoren, dass das Sommersemester ein „Nicht – Semester“ wird. Das bedeutet, dass die Lehre im kommenden Semester zwar soweit möglich stattfinden, das Semester aber nicht formal zählen soll. Dabei geht es vorallem darum, dass Studierende wegen nichterbrachten Studienleistungen keine Nachteile erfahren sollen. Wissensvermittlung und Verwaltung in den digitalen Raum zu verlagern, hat seine Grenzen. Zusätzlich stehen wir alle vor unterschiedlichsten Herausforderungne, die uns an der normalen Arbeit hindern. Daher appelliert der offene Brief an die verschiedensten Ebenen, die Studiengänge zu entlasten, um veränderte Lehrformate zu etablieren und im kommenden Semester Möglichkeiten zu bieten, Studienleistungen nach- und aufzuholen. Mehr als 1000 Mitarbeiter aus Forschung und Lehre unterzeichneten den offenen Brief bereits.

Als SST unterstützen wir die Forderungen, die aufgestellt werden! Viele der genannten Probleme spiegeln sich in unserem Alltag und der aktuellen Ausnahmesituation wieder. Grade jetzt muss es darum gehen, schnelle, unkomplizierte und langfristig tragbare Maßnahmen zu beschließen. Die Umsetzung eines „Nicht – Semesters“ sehen wir als Möglichkeit, den Druck zu verringern, der zur Zeit auf vielen Studierenden lastet und mit Blick auf die Zukunft verunsichert.

Wir kritisieren jedoch scharf, dass wir uns und Teile der Lehrenden sich überhaupt erst in so prekären Arbeits- und Lebenssituationen befinden und eine Krisensituation wie die jetzige so massive Auswirkungen auf unseren Alltag hat. Es kann nicht sein, dass wir wegen einigen Wochen oder Monaten Ausfall um den weiteren Werdegang unserer Ausbildungen und unsere finanziellen Grundlage bangen! Oder dass über 70% der Stellen im Mittelbau befristete und damit unsichere Stellen sind! Diese Probleme sind nur ein kleiner Ausschnitt und keine, die erst im Zuge der Covid-19-Pandemie aufgetreten sind, sondern seit langem schon existieren, angeprangert werden müssen und nur mit einem entschlossenen, gemeinsamen Kampf für die Verbesserung der allgemeinen Verhältnisse gelöst werden können.

#nichtsemester (hier der Link zum offenen Brief)

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