Musterbrief an Bildungsträger zum Online- Unterricht

Ein paar Kollegen und Kolleginnen haben bereits ein Angebot für Online-Unterricht in BAMF Kursen bekommen und sich zusammengesetzt, um einen Brief mit ihren offenen Fragen, Anmerkungen und Ansichten zu verfassen und gesammelt an ihren Bildungsträger zu schicken. Wir veröffentlichen den Brief als Anregung und Vorschlag (-> ihr findet ihn auch in unseren Notizen). Das Thema Online-Unterricht kocht gerade erst auf und wir sollten aufmerksam sein, was die die Regelungen und Bestimmungen angeht. Teilt uns eure Erfahrungen und Positionen mit.

Musterbrief an Bildungsträger zum Online-Unterricht

Liebe Frau … / Lieber Herr …

einige Lehrkräfte haben sich zu Ihrer E-Mail bezüglich des BaMF-Schreibens zur Umstellung auf Online-Unterricht ausgetauscht und wir möchten Ihnen gern eine geschlossene Rückmeldung geben. Bevor wir eine Zusage zum Online-Unterricht geben können, wollen wir die Umstände besser kennen, unter denen dieser Unterricht stattfinden würde.

Die erste Frage betrifft den Zeitraum: Ist die Anfrage nach Online-Unterricht als eine vorübergehende Maßnahme gedacht oder wird damit nach einer generellen Verfügbarkeit für einen Online-Unterricht auch nach der Corona- Krise angefragt? Gibt es einen konkreten Zeitraum, für den die Maßnahme angesetzt ist?

Die zweite Frage betrifft die technische Realisierbarkeit: Wir sind alle im Prinzip medienaffin und verfügen über die entsprechend notwendigen Endgeräte. Dennoch sind wir auf einige technische Hürden gestoßen, als wir den Konferenzraum „Zoom“ ausprobiert haben. Wie das die Teilnehmer mit ganz anderen Voraussetzungen umsetzen sollen, ist uns rätselhaft. Welche Überlegungen gibt es diesbezüglich vonseiten der Schule bzw. des BaMFs/ Jobcenters?

Die dritte Frage betrifft die didaktisch-methodische Umsetzbarkeit, und in einem größeren Zusammenhang die pädagogische Sinnhaftigkeit eines aus der Not heraus angesetzten Online-Unterrichts für Integrations- und Berufssprachkurse auf einem elementaren Sprachniveau: Gerade bei (Name der Schule) wird viel Wert auf die Herausbildung der kommunikativen Kompetenz gelegt. Im Präsenzunterricht haben wir dazu verschiedene Sozialformen als Mittel, möglichst viele Teilnehmer möglichst viel reden zu lassen. Wir fragen uns, wie das in einem Online-Klassenraum mit ca. 20 Personen stattfinden kann. Auch stellt sich die Frage, ob die regulären 5 UE pro Tag in dieser Form realisierbar sind. Es könnte eine Möglichkeit sein, Aufgaben in Gruppen- oder Partnerarbeit vorzustellen und die Teilnehmer gleichzeitig medientechnisch zu schulen, um eigenständige Lernformen zu entwickeln. Gibt es dafür geeignetes Lehrmaterial oder müssten wir dieses selbst erarbeiten?

Daran schließt sich die folgende Überlegung: Wir sind der Ansicht, dass es unter gewissen Umständen durchaus Möglichkeiten geben kann, einen Online-Unterricht übergangsweise, auf freiwilliger Basis, in einem realisierbaren Rahmen zu gestalten. Noch mehr als in unserem normalen Unterricht bedarf es hierbei allerdings einiger Überlegung, Konzipierung, Vorbereitung. Wir möchten daher diese Vorbereitungszeit (in gleichem Umfang wie die gehaltene Unterrichtszeit) angemessen honoriert bekommen.

Es gibt aufgrund der aktuellen Situation auch einige Online- Weiterbildungen in diesem Bereich (Webinare z.B. von verschiedenen Verlagen). Eine Teilnahme wäre sehr sinnvoll und eine Finanzierung durch zuständige Stellen angemessen; da wir angesichts des drohenden Honorarausfalls keine zusätzlichen finanziellen Aufwendungen bringen können.

Die letzte Frage ist die nach der Freiwilligkeit: Ist der Online-Unterricht als Zusatz- oder Ersatzleistung gedacht? Im Hinblick auf die Teilnehmer konkret die Frage: Werden diejenigen, die über keine technische Ausstattung bzw. Kompetenz verfügen, später dennoch Anspruch auf die Stunden in realem Unterricht haben? Im Hinblick auf die Lehrkräfte bedeutet die Frage: Werden diejenigen, die keinen Online-Unterricht anbieten wollen oder können, dennoch für den Unterrichtsausfall entschädigt? Im von Ihnen weitergeleiteten Trägerrundschreiben ist festgehalten, dass das BaMF den Trägern weiterhin einen „Zuschuss, der grundsätzlich monatlich höchstens 75 Prozent des Durchschnittsbetrages der letzten 12 Monate entspricht“, zukommen lässt. Sind darin auch die für Honorare vorgesehenen Zahlungen enthalten? Ist eine Auszahlung an die Bedingung geknüpft, dass Online Unterricht stattfindet?

Wir sind der Meinung, dass das Angebot, Online Unterrichtsstunden zu halten, kein Ersatz für die uns zustehenden Honorarleistungen sein kann.

Wir danken im Voraus für die Beantwortung der Fragen, soweit sie schon zu beantworten sind, bzw. an die Weiterleitung an die zuständigen Verantwortungsträger.

Vielen Dank und freundliche Grüße

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